In den vergangenen Jahren ist der Verkauf von fair gehandeltem Kaffee stark angestiegen. Bei den Verbrauchern kommt es gut an, dass den Kaffeebauern die Ware durch einen angemessenen Preis vergütet wird. Folglich kaufen Konsumenten Fairtrade Kaffee mit einem besseren Gewissen. Ob Siegel und Produkt tatsächlich halten, was sie versprechen, darüber möchten wir hier informieren.


 
 
 

Die Bedeutung des Labels

1992 schlossen sich verschiedene Organisationen unter dem grünblauen Fairtrade-Logo zu einem gemeinnützigen Verein zusammen. Eine Bewerbung um das begehrte Siegel ist kostenpflichtig. Die Produzenten müssen nachweisen, sich für einen gerechten Handel und eine menschenwürdige Bezahlung der Kaffeebauern einzusetzen. Dazu gehören ein Mindestpreis der Produkte und eine Prämie für Investitionen.

Zu erfüllen sind soziale Bedingungen wie geregelte Arbeitszeiten ohne Kinderarbeit. Ökologische Voraussetzung ist ein umweltschonender und pestizidfreier Anbau. Die Transparenz beim Geld- und Warenfluss gilt als wirtschaftliche Anforderung im Bewerbungsverfahren. Mittlerweile erfreut sich das Fairtrade-Logo in Verbindung mit dem Bio-Siegel einer zunehmender Beliebtheit. Zur Konkurrenz zählt die Gepa, Europas größtes Unternehmen für fairen Handel, das keine Zertifikate vergibt.

Die Vor- und Nachteile von fair gehandeltem Kaffee

Bei Veränderungen auf dem globalen Kaffeemarkt sind zertifizierte Partner durch einen Mindestpreis von 1,40 US-Dollar pro Pfund geschützt. Hinzu kommen Bio-Aufschlag und Prämie. Den Kaffeebauern sei damit eine Einkommenssicherheit gewährleistet. Um die Aussage beurteilen zu können, sollte Verbrauchern bekannt sein, was die Label-Betreiber am Kaffee verdienen.

Um den Schutz ihrer Ware zu erzielen, müssen Kaffeebauern deutlich in Vorleistung gehen. Allein zur Antragstellung eines Logos sind 525 Euro nötig. Eine anschließende Zertifizierung kostet 2.250 Euro. Hinzu kommen jährliche Gebühren für Beratungstätigkeiten, um die Produktivität zu steigern. Mit dem Geld sollen demokratisch basierende Kooperativen gefördert werden, um die Eigenständigkeit und Mitbestimmung der Kaffeebauern zu unterstützen.

Doch der Markt für fair gehandelten Kaffee ist relativ klein. Nicht jede erzeugte Menge kann angenommen werden. Zwar profitieren Partner des Labels von einem Wettbewerbsvorteil. Doch ärmeren Konkurrenten bleibt die Möglichkeit verwehrt, sich um ein Fair Trade Siegel zu bewerben. Britische Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die Arbeitsbedingungen und der Verdienst in Ländern wie Äthiopien und Uganda vor der Zertifizierung mit dem Fairtrade-Logo besser waren.

Je mehr Konsumenten sich am Label für fairen Handel orientieren und diese Produkte bewusst kaufen, um so deutlicher ist der Vorteil für die Anbieter. Benachteiligt werden im Kaffeehandel Konkurrenten, die ihren Produzenten auch ohne Fairtrade-Siegel einen höheren Preis für ihre Ware zahlen. Denn die Erfahrungen zeigen, dass Zertifizierungsstellen und Importeure beim Gewinn kräftig mitkassieren.

Inzwischen verkaufen einige zertifizierte Produzenten ihre minderwertige Ware zum vereinbarten Mindestpreis und bieten die hochwertige Kaffeequalität zum jeweiligen Marktwert an. Langfristig gesehen hätte diese Strategie zur Folge, dass unter fair gehandeltem Kaffee nur noch eine geringere Güteklasse des Genussmittels erhältlich wäre. So ist der weltweite Handel von fairem Kaffee mit Vorsicht zu betrachten.

Kritische Einschätzung von Entwicklungsökonomen

Den Hauptgrund für ihre Kaufentscheidung sehen viele Konsumenten in der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Kaffeebauern. Wie die Idee vermarktet und dargestellt wird, klingt für viele Verbraucher nachvollziehbar und vertrauenswürdig. Nicht umsonst greifen daher vor allem deutsche Kaffeetrinker mit steigender Tendenz zu fair gehandelten Produkten.

Forscher nehmen in der Bewegung falsche Anreize und grundsätzliche Fehler wahr. Der amerikanische Ökonom Bruce Wydick sieht in der Fair Trade-Idee keine effektive Bekämpfung von Armut. Ganz im Gegenteil, der Handel mit "Kaffee für's gute Gewissen" hat sich zu einem profitablen Markt entwickelt.

Die Alternative zum Fairtrade-Logo

Ein Direkthandel mit qualitativ hochwertigen Kaffeesorten erweist sich als besser. Dazu reisen Kaffeeanbieter zu Produzenten, um die Ware vor Ort einzukaufen. Das Erzeugnis wird dann im eigenen Geschäft in Deutschland angeboten. Der Vorteil liegt darin, dass der Kaffeevertrieb geringere Kosten und weniger Personal erfordert. Allerdings müssen Käufer mit höheren Preisen rechnen. Der erwirtschaftete Gewinn fließt zu einem deutlich größeren Anteil an die Kaffeebauern zurück.

Als Konsument steht Ihnen bei direkt gehandelten Kaffeesorten mehr Vielfalt an Ware zur Verfügung. Bei diesen Anbietern sind die Produkte handverlesen. Oft bereichern Raritäten das Sortiment, die geschmacklich unübertroffen sind. Zu dem engagieren sich viele Händler durch soziale und ökologische Projekte in kaffeeproduzierenden Ländern und Gemeinden. Die Handelsbeziehungen sind von Fairness und Nachhaltigkeit getragen. Im Vergleich zu Fairtrade-Anbietern ist die Ethik von Direkthändlern auf dem Kaffeemarkt zukunftsweisend. 


 

Kommentare  

+2 #1 RE: Fairtrade Kaffee - Ein wirklich faires Genussmittel?Uli 2017-05-25 12:49
Die Idee von Fairtrade ist schon eine gute Sache. Leider wollen auch die "Reichen" profitieren. Werde direkt gehandelten Kaffee einmal ausprobieren!
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